Standzeit optimieren: 5 Tipps aus der Praxis

Fünf praxiserprobte Maßnahmen, mit denen Sie die Standzeit Ihrer Zerspanungswerkzeuge deutlich verlängern.

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Wenn ein Werkzeug vorzeitig verschleißt, liegt es selten am Werkzeug allein. Die Standzeit ist das Ergebnis eines Zusammenspiels aus Schneidstoff, Beschichtung, Schnittdaten, Spanntechnik und Kühlstrategie. Wer an den richtigen Stellschrauben dreht, kann die Werkzeuglebensdauer oft verdoppeln – ohne einen Cent mehr für das Werkzeug selbst auszugeben.

Der größte Hebel ist häufig die Beschichtung. Ein unbeschichteter VHM-Fräser in Stahl erreicht vielleicht 30 Minuten Standzeit. Derselbe Fräser mit TiAlN-Beschichtung schafft 90 Minuten oder mehr, weil die Beschichtung die Reibung reduziert und die Schneidkante vor thermischem Verschleiß schützt. Dabei muss die Beschichtung zum Werkstückmaterial passen: TiAlN ist hervorragend für Stahl und Guss, versagt aber bei Aluminium, weil die Aluminiumaffinität zu Aufbauschneiden führt. Für Aluminium ist DLC die richtige Wahl, für Edelstahl AlCrN.

Mindestens ebenso wichtig sind die Schnittdaten. Viele Bediener fahren aus Sicherheitsgründen zu langsam – und schaden damit dem Werkzeug mehr, als sie es schützen. Zu niedrige Schnittgeschwindigkeiten fördern Aufbauschneiden und erhöhen die Schnittkräfte, weil der Span nicht sauber abgeschert wird. Zu hohe Geschwindigkeiten erzeugen dagegen übermäßige Wärme. Das Optimum liegt dazwischen, und die Werkzeughersteller geben in ihren Katalogen präzise Empfehlungen. Wir helfen Ihnen gerne, diese Werte auf Ihre konkrete Maschinensituation anzupassen.

Ein Faktor, der chronisch unterschätzt wird, ist die Spanntechnik. Ein Rundlauffehler von nur 0,01 Millimetern bewirkt, dass eine Schneide mehr Material abträgt als die andere. Diese Schneide verschleißt schneller, die Standzeit sinkt um bis zu 50 Prozent. Hochwertige Schrumpf- oder Hydrodehn-Spannfutter mit Rundlaufwerten unter 3 Mikrometern sind eine Investition, die sich über die Werkzeugeinsparungen schnell amortisiert.

Schließlich spielt die Kühlstrategie eine zentrale Rolle. Innenkühlung, bei der der Kühlschmierstoff durch das Werkzeug direkt an die Wirkstelle gelangt, ist der Außenkühlung in fast allen Belangen überlegen: bessere Kühlung der Schneidkante, effizienterer Späneabtransport, geringere thermische Belastung des Werkstücks. Wenn Ihre Maschine Innenkühlung unterstützt, nutzen Sie sie.